MICUS
Behörden kennen ihre Kunden! Möglichkeiten für "Business@ Government"
Interview mit Jutta Lautenschlager, Geschäftsführerin
Die Modernisierung der Verwaltung ist eine der großen Herausforderungen für die öffentliche Hand. Allein 700 Verwaltungsleistungen betreffen die Zusammenarbeit mit Unternehmen. Jutta Lautenschlager ist E-Government-Spezialistin aus Berlin. Als Beraterin öffentlicher Verwaltungen kennt sie Möglichkeiten, damit Unternehmen und Verwaltungen effizient zusammenarbeiten. Thomas Keup sprach mit der Geschäftsführerin von MICUS Management Consulting und wollte zunächst wissen, worin die öffentliche Verwaltung besonders stark ist.
J. L.: Der Staat ist in Kontinuität und Verlässlichkeit unschlagbar. Dahinter steht u. a. der Wunsch, sicher zu sein, z. B. vor Regress-Forderungen. Dies gilt umso mehr im Verhältnis von Staat zu Wirtschaft. Dabei sorgen komplizierte Gesetze und Brüsseler Vorschriften nicht unbedingt dafür, dass es die Verwaltung einfacher hat.
T. K.: Kommen wir zur viel diskutierten Einführung von E-Government-Leistungen. Unter welchen Voraussetzungen kann die Zusammenarbeit zwischen Staat und Wirtschaft erfolgreich gelingen?
J. L.: Eine wichtige Frage ist, wie die Verwaltung den Unternehmen künftig langwierige Genehmigungsverfahren ersparen kann. Das spart wertvolle Arbeitszeit aufseiten der Firmen. Dazu kommen die direkten Kosteneinsparungen auf beiden Seiten. Nur wenn Unternehmen durch E-Government deutliche Beträge einsparen, werden sie auch in erforderliche IT-Systeme investieren.
T. K.: Nun sind Unternehmen auf elektronische Behördenbeziehungen nicht immer vorbereitet. Wie können Firmen davon überzeugt werden, dass ihnen E-Government langfristig Vorteile bringt?
J. L.: Wichtig ist aus meiner Sicht, zu verdeutlichen, dass z. B. Anfragen und Anträge von Unternehmen durchgängig elektronisch und zeitnah bearbeitet werden. Nur mit IT-Unterstützung können die gewünschten Zeit- und Kostenvorteile langfristig erreicht werden. Hier kann eine „Musterfirma“ helfen, die erforderlichen Schritte auf Unternehmerseite sichtbar zu machen.
T. K.: Und wie bekommt man Unternehmen dazu, schließlich mitzumachen?
J. L.: Es mag ungewöhnlich klingen, aber Behörden müssen Marketing machen und Anreize schaffen. Dazu empfehle ich, neue Dienste mit konkreten Erfolgsbeispielen zu flankieren. Diese „Best Practices“ können nur aus den Verwaltungen selbst kommen, weil sie ihre Kunden kennen.
T. K.: Wie kann über die Einführung mittels Erfolgsbeispielen hinaus dafür gesorgt werden, dass Unternehmen und Verwaltungen online-basierte Dienstleistungen dauerhaft einsetzen?
J. L.: Wenn die Nutzer auf Unternehmensseite wissen, wie es geht, nutzen sie es auch. Daher ist die Vorbildfunktion ganz entscheidend, um E-Government-Angebote „zum Fliegen“ zu bringen. Den Verwaltungen empfehle ich, genau zu schauen, in welchem Umfang (Unternehmens-)Kunden Behördenleistungen abrufen. Auf Grundlage des Mengengerüstes kann das E-Government-Angebot sinnvoll gestaltet werden.
T. K.: Aber sind die erforderlichen Leistungen für Unternehmen nicht zu unterschiedlich, um daraus ein generelles E-Government-Angebot zu entwickeln?
J. L.: Wir wissen, dass bei Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen eine durchaus ähnliche E-Government-Nutzung besteht. Ein detaillierter Abgleich kann z. B. durch abstrahierte und anonymisierte Umfragen erfolgen. Ein Angebot, dass auch wir als E-Government-Spezialisten der Verwaltung anbieten.
T. K.: Sie haben einen umfassenden 10-Punkte-Katalog für die praktische Einführung und Umsetzung von E-Government-Leistungen erarbeitet, in dem die angesprochenen Aspekte und viele weitere Praxistipps zu finden sind. Wo können interessierte Leser Ihr Know-how finden?
J. L.: Wir haben die 10 Punkte als frei abrufbares Dokument auf unsere Website gestellt. Wer sich für praktische Möglichkeiten zur Verwaltungsmodernisierung interessiert, kann unsere Vorschläge unter www.micus.de jederzeit herunterladen.
T. K.: Vielen Dank für Ihre klaren Worte.
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Redaktion: Thomas Keup, alle Nutzungsrechte frei.
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